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Die Braut von Salt Hendon

HISTORISCHER ROMAN AUS DER GEORGIANISCHEN ÄRA

Übersetzt von Susanne Döring

Buch 1 der Salt-Hendon-Reihe

Als der Earl von Salt Hendon die Tochter eines Landadligen, Jane Despard, heiratet, ist die feine Gesellschaft entsetzt. Aber Jane und Salt haben eine geheime Vergangenheit voll Liebeskummer und Misstrauen. Sie sind zu dieser Heirat gezwungen, die keiner von beiden wünscht: der Earl, um den Wunsch eines sterbenden Mannes zu erfüllen, Jane, um ihren Stiefbruder vor dem finanziellen Ruin zu retten.

Die geduldige und immer optimistische Jane, die innerlich so schön ist wie äußerlich, glaubt, dass die Liebe über alles siegt; der Earl muss erst noch etwas überzeugt werden. Auftritt Diana St. John, die sich törichterweise vorstellte, dass sie die nächste Gräfin von Salt Hendon werden würde. Sie wird bis zum Äußersten gehen, bis zu Mord, um Salts Zuneigung zu erringen. Die Jungvermählten müssen ihre früheren Vorurteile und die unheilvollen Widerstände überwinden, um sich wieder lieben zu lernen.

Ein erneutes, köstliches Juwel von Lucinda Brant: viel Drama, tiefe Gefühle und witzige Prosa, alles dicht übersät mit historischen Details, um Sie von Anfang bis Ende zu fesseln. Tauchen Sie in die Romantik und Opulenz ihrer Welt des Adels im achtzehnten Jahrhundert ein.

Ausgezeichnet mit der B.R.A.G. Plakette, Finalistin im Wettbewerb Readers' Favorite book, Finalistin im Wettbewerb der Australian Romance Readers.

Charakterbestimmte, spannende Liebesgeschichte Klassischer Romanzenstil, ähnlich wie Regency noir
Länge: 117.000 Wörter
Englischer Originaltitel Salt Bride

 

 
 

 

Spitzenbewertungen und Auszeichnungen

Wir schreiben das Jahr 1763 und König Georg III. ist auf dem Thron. Der harte, raue Charakter der georgianischen Ära steht in hervorragendem Kontrast zu der Eleganz dieses Zeitalters. Die Autorin hat eine Liebesgeschichte geschaffen, die Liebhaber der historischen Romanze genießen werden, sie führt den Leser durch das Labyrinth der Missverständnisse, ohne je vorschnell etwas zu verraten. Ich habe dieses Buch überaus genossen und kann es wärmstens empfehlen.
★★★★★
Fiona Ingram for Readers’ Favorite

 

Brant hat unzweifelhaft Talent, ich kann es kaum erwarten, mich in mehr von ihren wunderbaren Geschichten zu versenken. Wage ich, das zuzugeben ... ich habe Die Braut von Salt Hendon mehr genossen, als viele der geliebten Werke Georgette Heyers, und das ist wirklich großes Lob.
Courtney Webb Stiletto Storytime

Das komplizierte Netz, das Lucinda Brant um eine Reihe höchst bemerkenswerter Charaktere spinnt, wird Sie sicher fesseln. Wenn die Handlung sich verdichtet und finster wird, bis zu einem Moment, an dem man nicht anders kann, als den Atem anzuhalten, können Sie sich vorstellen, dass die hervorgerufenen Bilder umwerfend sind. Wenn Sie dem Bösen noch nie ins Auge geschaut haben, warten Sie, bis Sie Diana St. John kennenlernen. Das hat mich wirklich zu einem Fan von Brant gemacht. Genießen Sie es.
★★★★★ TOP PICK ALL-TIME KEEPER SHELF
SWurman, Night Owl Reviews


Brant kennt sich mit der Geschichte aus und verwebt historische Fakten mit ihrer erfundenen Geschichte in einer Art, die sowohl informiert wie Freude bereitet. Die Einzelheiten des Zeitalters sind reichhaltig und der Schreibstil unterscheidet sich angenehm von der Art gekünstelter Sprache, die moderne Schriftsteller verrät - und über die sie oft stolpern.
Lady A~ Ye Bath Corner Review

 
 
 
 

 

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Vorschau

LONDON, ENGLAND, 1763

„Tom, habe ich eine Mitgift?“, fragte Jane ihren Stiefbruder und wandte sich von einem Fenster ab, gegen das der Regen heftig schlug.

Tom Allenby schaute unbehaglich zu seiner Mutter hinüber, die ihm eine zweite Schale Bohea-Tee einschenkte. „Mitgift? Natürlich hast du eine Mitgift, Jane.“

Jane war sich nicht so sicher. Als ihr Vater sie vier Jahre zuvor verstoßen hatte, hatte er ihr keinen Penny mitgegeben.

„Wie hoch ist der Betrag?“

Tom blinzelte. Sein Unbehagen wuchs. „Betrag?“

„Zehntausend Pfund“, stellte Lady Despard mit einem unwilligen Blick auf ihre Stieftochter fest. Ihr Ärger verriet sich durch die raue Art, mit der sie die Kuchenscheiben auf kleine Teller aus blauweißem Winchester Porzellan legte. „Obwohl ich nie werde verstehen können, warum Tom es für notwendig hält, dich mit einer Mitgift auszustatten, wenn du den reichsten Mann von Wiltshire heiratest. Für einen adligen Geldsack sind zehntausend nur ein Tropfen im Bristol-Fluss.“

Mama“, sagte Tom mit einem warnenden Unterton, seine glatt rasierten Wangen brannten vor Scham. „Ich denke, ich kann zehntausend für Jane erübrigen, wenn ich das zehnfache davon erben werde.“ Er musterte seine Stiefschwester mit einem zögerlichen Lächeln. „Es ist eine faire Mitgift, nicht wahr, Jane?“

Aber Lady Despard hatte recht. Zehntausend Pfund war keine große Mitgift, die man in die Ehe mit einem Adligen einbringen konnte, der angeblich jährlich ein Einkommen von dreißigtausend Pfund hatte. Und Jane hasste es, ihren Stiefbruder unglücklich zu sehen. Armer Tom. Die Bestimmungen in Jacob Allenbys Testament hatten seine wohlgeordnete Welt in Unruhe versetzt.

„Natürlich ist es eine angemessene Mitgift, Tom. Mehr als angemessen, sie ist sehr großzügig“, antwortete sie freundlich.

Sie zog sich wieder zu dem Fenster mit Blick auf den düsteren Winterhimmel Londons und die grauen Gebäude zurück und wünschte sich, dass die Sonne sich zeigen sollte, und wenn es nur kurz wäre, um den Januarfrost zu schmelzen. Tom könnte sie dann zum Reiten mit in den Green Park nehmen. Irgendwie musste sie der Enge dieses unvertrauten Stadthauses entfliehen, das von namenlosen, leise herumgehenden Dienern wimmelte.

Aber dem Morgen konnte sie nicht entfliehen. Morgen sollte sie heiraten. Morgen sollte sie eine Gräfin werden. Morgen würde sie respektabel werden.

Tom folgte ihr quer durch den Salon zu dem Fenstersitz, der über der geschäftigen Arlington-Straße thronte und setze sich neben sie.

„Hör zu, Jane“, sagte er schroff. „Du musst dich nicht nur um meinetwillen in diese Ehe stürzen. Die Anwälte, die Onkels Nachlass regeln, sagen, es sei noch Zeit ...“

„Es ist alles völlig in Ordnung, Tom“, versicherte Jane ihm mit einem sanften Lächeln. „Je früher ich verheiratet bin, desto eher kannst du erben, was dir rechtmäßig zusteht und dein Leben fortsetzen. Du hast Fabriken zu leiten und Arbeiter, die sich darauf verlassen, dass du ihre längst fälligen Löhne zahlst. Es war nicht recht von Mr. Allenby, dir die Sorge um seine Fabriken und seinen Nachlass ohne die Mittel dazu zu hinterlassen. Du solltest nicht gezwungen sein, alles aufzukündigen oder dein Geburtsrecht zu verkaufen. Diese armen Leute, die euer blaues Glas herstellen, müssen bezahlt werden, damit sie ihre Familien ernähren können. Sollten sie mittellos gemacht werden, nur, weil dein Onkel mir sein Kapital hinterlassen hat? Du bist sein einziger männlicher Verwandter und du hast denen gegenüber, die jetzt für dich arbeiten, eine Verpflichtung. Wir wissen, warum dein Onkel dich an Sachwerten reich, aber an Bargeld arm gemacht hat, warum er mir sein Kapital hinterließ - weil er hoffte, damit eine Vereinigung zwischen uns zu erzwingen.“

„Warum nicht? Warum heiratest du nicht mich, Jane?“

„Weil du, obwohl du nur mein Stiefbruder bist, mein kleiner Bruder warst, seit ich denken kann, und das wird sich nie ändern“, erklärte Jane freundlich. „Ich liebe dich, wie eine Schwester ihren Bruder liebt, und das ist der Grund, warum ich dich nicht heiraten kann.“

„Aber was ist mit Onkels Letztem Willen?“, fragte Tom lahm und wollte den Streit nicht fortführen, da er wusste, dass sie recht hatte.

„Wir haben darüber mit Mr. Allenbys Anwälten gesprochen“, antwortete Jane geduldig. „Das Testament besagt nicht ausdrücklich, dass ich dich heiraten muss, Tom, also sind wir nicht gezwungen, das zu tun. Das war ein Versehen deines Onkels. Die Anwälte sagen, dass ich irgendeinen Mann heiraten kann, dann werden die hunderttausend Pfund zu deinen Gunsten freigegeben.“

„Irgendeinen Mann?“, schnaubte Tom in verlegenem Ärger. „Aber du heiratest eben nicht irgendeinen Mann, Jane. Du heiratest den Earl von Salt Hendon! Ich kann nicht zulassen, dass du ein solches Opfer bringst. Das ist nicht richtig. Sicher können wir einen anderen Weg finden. Wir brauchen nur Zeit.“

„Zeit? Es ist jetzt drei Monate her, seit Mr. Allenby gestorben ist und du kannst deine Gläubiger nicht weiter vertrösten. Wie viel bist du schuldig, Tom? Wie lange glaubst du, dass du weitermachen kannst, bevor du anfangen musst, Vermögenswerte zu verkaufen, um deine Schulden zu begleichen?“ Jane zwang sich zu einem fröhlichen Lächeln. „Außerdem, ist es so ein Opfer, von der Tochter eines Landedelmanns zur Frau des Earls von Salt Hendon erhoben zu werden? Ich werde Gräfin sein!“

„Frau eines Adligen, der dich heiratet, weil er deinem sterbenden Vater sein Wort gab und sich seiner Ehre willen daran gebunden fühlt“, brummte Tom. „Nicht, weil er dich will oder liebt ... Oh, Jane! Verzeih mir“, entschuldigte er sich schnell, als er seinen Fehltritt bemerkte. „Du weißt, dass ich nicht gemeint habe ...“

„Entschuldige dich nicht für die Wahrheit, Tom. Ja, ich heirate einen Mann, dem überhaupt nichts an mir liegt, aber mein Gewissen ist dabei rein.“

„Nun, wenn du mich nicht heiraten willst, ist die Heirat mit einem titeltragenden Schürzenjäger besser, als dass du unverheiratet bleibst“, sagte Janes Stiefbruder mit einer abrupten Kehrtwendung, die sie die Augen aufreißen ließ. „Nur der Schutz eines Ehemannes wird die lüsternen Hunde abwehren. Unverheiratet in einem Cottage auf dem Landsitz zu leben war schön und gut, solange Onkel Jacob lebte, um dich zu beschützen. Aber selbst er war machtlos bei dem einzigen Mal, wo du dich aus dem Park herausgewagt hast. Du warst Freiwild für jeden verderbten Schurken, der auf der Jagd von Salt ritt.“ Tom drückte ihre Hand. „Onkel zeigte mehr Selbstbeherrschung als ich. Ich hätte all diese lüsternen Schweine eher erschossen als zuzulassen, dass sie dich für eine Hure hielten.“

Dieser demütigende Vorfall hatte sich zwei Jahre zuvor ereignet, aber die Erinnerung war für Jane noch immer schmerzhaft frisch. Was Tom nicht wusste, war, dass die lüsternen Schweine, von denen er sprach, in Wahrheit der Earl von Salt Hendon und seine Freunde gewesen waren. Am Rande des Wäldchens, ihren Korb mit Wiesenpilzen am Arm und ihre Haube an den seidenen Bändern herumschwenkend, hatte sie den Earl, der mit Vollbart und seinem kastanienfarbenen Haar, das um seine Schultern fiel, auf seinem besten Jagdpferd saß, nicht erkannt.

Er hatte sein Reittier direkt neben ihr zum Stehen gebracht und auf ihr erhobenes Gesicht gestarrt, in einer Weise, die wie stumme Verblüffung wirkte. Dann übte er, zur Freude seiner Kumpane, wegen ihres unerlaubten Betretens seines Landes das Recht des Grundherrn aus, indem er abstieg, sie in eine feste Umarmung zog und voll auf ihren Mund küsste. Sie hatte vergebens versucht, ihn wegzustoßen, aber der Arm um ihre Taille hielt sie wie in einem Schraubstock und er fuhr fort, ihren Mund unter seinem zu zerwühlen, sie mit seiner Zunge zu vergewaltigen; er schmeckte nach Alkohol und Pfeffer. Als er endlich den Kopf hob, um Luft zu holen, sahen seine braunen Augen ihr schockiertes Gesicht suchend an, als ob er eine Art Offenbarung erwartete. Erst, als sie ihm hart ins Gesicht schlug, wurde der Bann gebrochen und er wurde sich seiner Umgebung wieder bewusst. Er ließ sie los, nachdem er ihr nur ein einziges, bösartiges Wort ins Ohr geflüstert hatte, und verbeugte sich dann spöttisch.

Selbst jetzt, zwei Jahre später, erschauerte Jane noch und musst schlucken, als sie sich daran erinnerte, wie erbarmungslos er dieses verhasste Wort in ihr Ohr geflüstert hatte. Er hätte ihr ebenso gut einen Stich ins Herz versetzen können, so groß war der Schmerz, den dieses eine Wort verursachte: Dirne.

Sie lächelte ihren Stiefbruder resigniert an, der mit seinen gerade einundzwanzig Jahren so viel Verantwortung auf seinen schmalen, jungen Schultern trug.

„Aber was sonst sollten sie denken, Tom? Ich, ein unverheiratetes Mädchen, das aus dem Haus ihres Vaters verstoßen war und unter dem Schutz eines alten Witwers lebte - sie konnten mich für nichts anderes als eine Dirne halten.“

„Nein. Nein, das bist du nichtSag das niemals!“, befahl er und warf einen Blick durch den Raum auf seine Mutter, die mehr Tee in ihre Schale goss. „Du hast einen winzigen Fehler gemacht, das war alles“, fuhr er fort. „Sollst du die Folgen davon für den Rest deines Lebens tragen müssen? Ich sage nein, tausendmal nein.“

„Liebster Tom. Du warst immer mein tapferer Verteidiger, obwohl ich solche Ergebenheit gar nicht verdiene“, sagte sie in aufmunterndem Ton. „Du kannst das, was ich tat, nicht als winzigen Fehler abtun. Schließlich veranlasste dieser Fehler meinen Vater, mich zu verstoßen und mich als Hure zu brandmarken.“ Als Tom eine ungeduldige Geste machte und zur Seite schaute, lächelte sie beruhigend und berührte seine gerötete Wange. „Ich kann und werde das nicht ableugnen. Wenn dein Onkel mich nicht aufgenommen hätte, nachdem mein eigener Vater mich aus dem Haus geworfen hatte, hätte ich in einem Armenhaus in Bristol oder tot in einer Gosse enden können. Ich werde Mr. Allenby immer dankbar dafür sein, dass er mir seinen Schutz geboten hat.“

„Ich hätte mich um dich gekümmert, Jane. Immer.

„Ja, Tom. Natürlich.“

Aber beide wussten um die unausgesprochene Wahrheit hinter dieser Lüge. Janes Vater, Sir Felix Despard, hätte Tom nie erlaubt, in die gerechtfertigte Bestrafung einer ungehorsamen und entehrten Tochter einzugreifen. Der Verlust ihrer Tugend und die tragischen Konsequenzen daraus hatten Sir Felix das Recht gegeben, sie aus dem Schoße der Familie zu verstoßen, allein, ohne Freunde und mittellos. Jane hatte nicht nur ihren guten Namen, sondern auch die Ehre der Familie beschmutzt. Sie tadelte ihren Vater nicht für ihre Schande, aber Jane würde ihm nie verzeihen, was man ihr auf seinen Befehl hin angetanhatte.

Unabhängig davon, was andere von ihr dachten, glaubte sie noch an die Verteidigung moralischer Prinzipien wie Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und daran, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Die missliche Lage, in der sie sich befunden hatte, war nicht die Schuld ihres Vaters gewesen, sondern einzig und allein die ihre. Aber Tom würde es nie verstehen. Ihm war es erspart geblieben, die ganze schmutzige Geschichte zu erfahren, wofür sie dankbar war. Tom war ein ernsthafter junger Mann, der das Gute in jedem sah. Jane hoffte, dass er das immer tun würde.

„Du bist der beste aller Brüder, Tom“, sagte sie ehrlich und küsste ihn leicht auf die Wange.

Aber Tom hatte nicht das Gefühl, dieses Lob verdient zu haben. Er packte Janes Hand.

„Wenn du irgendeinen anderen Mann als Lord Salt akzeptiert hättest!“, sagte er heftig. „Er hat immer diesen Ausdruck auf seinem Gesicht - schwer zu beschreiben - als ob jemand es gewagt hätte, unter seiner adligen Nase schlechten Geruch zu verbreiten. Wenn seine Nasenflügel so beben, möchte ich immer in Gelächter ausbrechen. Du kannst ja kichern, Jane, aber Gott helfe mir, meine Gesichtszüge ruhig zu halten, wenn der Rest der Familie Sinclair die gleichen edlen Nasenflügel hat!“

Der Butler wählte diesen Moment, sie zu unterbrechen.

„Was gibt es, Springer?“, fragte Jane höflich und brachte ihre Gesichtszüge unter Kontrolle.

„Lord Salt und Mr. Ellis, Madam“, verkündete der Butler.

Stiefbruder und -schwester tauschten einen Blick aus aufgerissenen Augen, als ob sie vom Objekt ihres Klatsches ertappt worden wären.

„Was? Er ist jetzt hier?“, platzte Lady Despard grob heraus und bevor der Butler bestätigen konnte, dass tatsächlich der Earl von Salt Hendon und sein sommersprossiger Sekretär unten warteten, fügte sie mit einem Ton atemloser Freude hinzu: „Was für eine hohe Ehre für uns alle. Soll ich mehr Tee bringenlassen?“

Jane teilte dem Butler mit völlig beherrschter Stimme mit, dass er seine Lordschaft und Mr. Ellis sofort nach oben bitten und eine frische Kanne Tee und saubere Schalen bringen möchte. Aber kaum hatte sich die Tür hinter dem Diener geschlossen, als sie auf den Fenstersitz sank, als ob ihre Beine nicht imstande wären, ihre zierliche Gestalt zu tragen. Sie war taub für das Flehen ihrer Stiefmutter, dass sie sofort gehen, in den Spiegel schauen und ihr Haar sowie den rechteckigen Ausschnitt ihres Mieders in Ordnung bringen sollte. Und sie war blind für das besorgte Stirnrunzeln ihres Stiefbruders, sie dachte nur, wenn sie ihre Handarbeit mit in den Salon gebracht hätte, könnte sie zumindest vortäuschen, beschäftigt zu sein und müsste dem Lord nicht in einmal in die Augen schauen.

Sich dem Earl von Salt Hendon gegenüber zu sehen, hatte Jane die Sprache verschlagen.

~    ~    ~

Magnus Vernon Templestowe Sinclair, neunter Baron Trevelyan, achter Viscount Lacey und fünfter Earl von Salt Hendon, schritt nach der Ankündigung durch den Butler in den Salon und füllte den Raum sofort mit seiner Präsenz. Die tapezierten Wände und stuckverzierten Decken schienen zu schrumpfen, oder zumindest schien es Jane so, die an die Allenbys gewöhnt war, die alle klein und schmalschulterig waren. Der Earl war keines von beiden. Seine Kleidung, nahm Jane an, entsprach dem Gipfel der Eleganz in London: ein Gehrock in venezianischem Blau mit aufwendiger Chinoiserie-Stickerei auf den engen Manschetten und den kurzen Rockschößen; eine Weste, silbrig wie Austern, die über einem Paar eng anliegender schwarzer Seidenhosen endete, die an den Knien mit diamantenen Schnallen geschlossen wurden; weiße, in sich gemusterte Strümpfe umschlossen muskulöse Unterschenkel; und riesige, diamantbesetzte Schnallen saßen auf den Laschen eines Paars schwarzer Lederschuhe mit niedrigem Absatz. Spitzen an Handgelenken und Hals vervollständigten diese prachtvolle Toilette. Jedoch, weder die gefältelten Spitzen oder das perfekt geschnittene Tuch konnten die wohlgeformten Muskeln seiner Beine oder die Breite seiner Brust und seiner Schultern verbergen. Er dominierte den Raum allerdings nicht nur durch seine Größe. Seine Schritte waren zielstrebig, und als er einen schnellen, herrischen Blick durch den Raum schweifen ließ, forderte die Intensität seiner braunen Augen, dass die, auf die er sie richtete, ihm Aufmerksamkeit gewähren oder die Folgen seines Missfallens zu ertragen haben würden.

Lady Despard, die nahe dem Kamin stand, ließ ihn kurz innehalten. Sie knickste tief und gönnte seiner Lordschaft einen hervorragenden Blick in ihren tiefen Ausschnitt. Als der Earl seinen Blick von ihrem überreifen Busen abwandte, geschah dies, um sich umzuwenden und Jane mit einem verächtlichen Blick zu betrachten. Ein Ausdruck, der schwer zu lesen war, huschte über das kantige Gesicht des Edelmannes, und dann erst schien er plötzlich gewahr zu werden, dass er alles andere als höflich war. Er verbeugte sich leicht, als Lady Despard sich erhob und zusammen mit ihrem Sohn über den Teppich auf ihn zu kam, um ihn zu begrüßen.

Die formelle Begrüßung gab Jane Zeit, ihre Fassung wiederzufinden. Sie stand wie erstarrt, eingeschüchtert durch die bloße Körperlichkeit des Mannes, unfähig, ihre steifen Knie zu dem erforderlichen, respektvollen Knicks zu beugen. Äußerlich erschien sie durchaus ruhig, aber innerlich war ihr unglaublich übel und doch fühlte sie sich gleichzeitig erleichtert. Sie war froh, dass er sie kaum ansah. Als er es tat, geschah es mit stummer Missbilligung, und als ob er sichergehen wollte, dass sie aufmerksam war. Dieser Ausdruck blieb, während er ein paar Worte mit Tom wechselte. Jane sah es an der Art, wie seine kräftigen Kiefermuskeln sich anspannten und er seine Lippen zu einem dünnen Strich aufeinanderpresste, was seinen klassischen Zügen einen harten, kompromisslosen Eindruck verlieh. Und doch konnte seine kalte Verachtung die Tatsache nicht verleugnen, dass er ein auf robuste Weise gutaussehender Mann war.

Tom schaffte es nur, ein paar Worte mit dem Earl zu sprechen, bevor seine Mutter ihn unterbrach. Sie schaute zu dem Lord unter ihren dunkel gefärbten Wimpern auf und versuchte, sein Interesse durch eine Flut von Nichtigkeiten zu erregen; ihr albernes Geschwätz über das schlechte Wetter, insbesondere den ungewöhnlich strengen Frost zu Beginn des neuen Jahres, wurde von höflichen, aber einsilbigen Antworten quittiert. Jane runzelte die Stirn und wurde von dem offenen Flirt ihrer Stiefmutter mit diesem abgestumpften Edelmann in Verlegenheit gebracht, der offensichtlich an die Listen der Frauen, die sich ihm ständig an den Hals warfen, gewöhnt und davon gelangweilt war.

Als er sein gepudertes Haupt zu ihr wandte und sie direkt ansah, als ob er sich bewusst wäre, wie genau sie seine Person begutachtete, war Jane so erschrocken, dabei ertappt zu werden, dass sie die Hitze in ihren weißen Hals aufsteigen fühlte. Das Feuer brannte noch stärker auf ihren Wangen, als er so ungezogen war, sie von oben bis unten zu mustern, beginnend bei ihren dicken, schwarzen Zöpfen, die von einem silbernen Netz auf ihren Schultern zusammengefasst wurden, dann seinen Blick auf ihren Brüsten ruhen ließ, die von einem einfachen Mieder aus Musselin bedeckt waren, bevor er ihre Röcke hinab zu ihren passenden seidenen Schühchen glitt. Als er die Stirn runzelte, als ob sie nicht seinen Erwartungen entspräche, wagte Jane es, das Kinn zu heben und seinen Blick zu erwidern, bevor sie sich abweisend zum Fenster umdrehte.

Ihr Blick blieb unerschütterlich auf den fallenden Regen gerichtet, obwohl sie sich bewusst war, dass ihre Stiefmutter jetzt den sommersprossigen Sekretär, Mr. Ellis, den Jane ein paar Schritte hinter seinem adligen Arbeitgeber hatte stehen sehen und der nun sein Bestes tat, um sich an Lady Despards Ausflügen zur Stadtbesichtigung in London höflich interessiert zu zeigen, mit einem Wortschwall überschüttete. Dann, direkt hinter ihrem Rücken, hörte sie Toms eifrige Antwort auf die Einladung des Earls, an einem Tennisspiel teilzunehmen, das auf dem privaten Platz seiner Lordschaft bei seinem Stadthaus am Grosvenor Square am übernächsten Tag stattfinden sollte. Tom sagte, er würde sich geehrt fühlen, am Turnier seiner Lordschaft teilnehmen zu dürfen.

Seiner Lordschaft Turnier, in der Tat, dachte Jane, wo doch Tom nur ein paar Minuten zuvor Witze über die edlen Nasenflügel seiner Lordschaft gemacht hatte!

Der Earl sagte gedehnt etwas darüber, dass er hoffte, dieses Haus in der Arlington Street - wo normalerweise seine Lordschaft wohnte, wenn die Parlamentssitzungen über Nacht dauerten - böte eine angemessene Unterkunft für Tom und seine Mutter. Tom dankte seiner Lordschaft für die Möglichkeit, sein Stadthaus zu nutzen und dass, sobald es möglich wäre, er und seine Mutter eine passende Unterkunft für sich selbst mieten würden, um einen oder zwei Monate lang zu genießen, was London zu bieten hatte, bevor sie nach Bristol zurückkehrten. Der Earl sagte zu ihm, er könnte sich Zeit lassen. Es hätte keine Eile mit ihrem Umzug. Und dann wurde es still im Raum.

Die Stille war so anhaltend, dass Neugier Jane veranlasste, sich vom Fenster abzuwenden. Wäre ein Stuhl in der Nähe gewesen, hätte sie sich vor Schreck darauf fallen lassen. Tom hatte sie im Stich gelassen, sich zu seiner Mutter und dem Sekretär, seinem Freund seit den Tagen in Oxford, in der anderen Ecke des Salons gesellt, um Tee zu trinken und über alte Zeiten zu plaudern. Sie hatten Jane verlassen, so dass sie Lord Salt alleine gegenübertreten musste.

Seine Lordschaft schaute über ihren Kopf hinweg und aus dem Fenster.

„Miss Despard, es ist üblich, mir zu erlauben, mich über Eure Hand zu beugen“, erklärte er mit genau diesem Hauch von Unverschämtheit, der nötig ist, um sofortigen Gehorsam einzufordern.

Aber Jane war durch seine Nähe und seine frühere, abschätzige Musterung zu betroffen, um sich an die Feinheiten einer formellen Vorstellung halten zu können und ihre Hände blieben fest vor ihr verschränkt. Sie sagte sich, dass sie dickköpfig schlechte Manieren zeigte, aber zum ersten Mal seit Jahren erlaubte sie ihren Gefühlen, ihre Zunge zu beherrschen und ihre Gedanken auszusprechen.

„Ich bin mir der Ehre, die Ihr mir erweist, bewusst, Mylord“, antwortete sie mit klarer Stimme, während ihr Blick fest auf den silbernen Knöpfen seiner Weste ruhte. „Aber ich bin mir nicht über die Tatsache im Unklaren, dass dies Euch in höchst unpassender Weise aufgezwungen wurde. Dies ist ein Umstand, den ich bitter bedauere und wünschte, ändern zu können.“

Es entstand eine winzige Pause, bevor Salt in seiner lässigen Art sagte: „Ihr hattet reichlich Gelegenheit, mich aus einer so verdammten Lage zu entlassen. Ihr hättet die Ehre einfach ablehnen können. Nun, bis zur Zeremonie sind es noch fast achtzehn Stunden ...“

Diese offene Rede ließ Jane ihren Kopf zu seinem Gesicht heben, ihre blauen Augen vor Erstaunen aufgerissen. Er bot ihr in letzter Stunde noch die Gelegenheit, ihn abzulehnen; tatsächlich ließ sein ganzes Auftreten darauf schließen, dass er erwartete, dass sie das jetzt und hier tun würde. Dass sie ihn von ganzem Herzen aus seiner erzwungenen Verpflichtung freigeben wollte, war sofort durch die Verletzung ihres weiblichen Stolzes vergessen. Dass er nicht einmal so viel gute Manieren bewies, seine Abscheu vor einer Heirat zu verbergen, die ihr Vater gewünscht hatte, nicht sie, ärgerte sie so, dass sie eine patzige Antwort gab.

„Ihr könnt kaum glauben, Mylord, dass ich mich auf Euren zweifelhaften Antrag gestürzt habe, Mylord“, stellte sie mit so viel Kälte in ihrer Stimme fest, wie sie aufbringen konnte. „Zweifellos gibt es Dutzende Frauen, die nur zu gerne den Platz an Eurer Seite als Gräfin von Salt Hendon einnehmen würden. Ich wünschte von ganzem Herzen, dass Ihr um eine dieser Damen geworben hättet, denn dann wäre diese schreckliche Situation nie eingetreten.“

„Ich habe nicht die Gewohnheit, Entscheidungen, die mein ganzes Leben verändern, nur zu treffen, um anderen einen Gefallen zu tun“, erwiderte er kalt und hielt seinen Blick weiter auf die nasse Fensterscheibe gerichtet. „Und doch ... da ich wusste, dass Ihr eine launische Frau ohne Herz und mit noch weniger Hirn seid, die die unverfrorene Frechheit besitzt, einen zweifelhaften Heiratsantrag anzunehmen, hätte ich tatsächlich die nächste Jungfrau mit einem frischen Gesicht heiraten sollen, die sich zum Besteigen anbot.“

Jane taumelte einen Schritt zurück, in ihrem Kopf drehte sich alles, sie griff mit einer Hand nach den schweren Brokatvorhängen, um angesichts so vulgärer Worte Halt zu suchen. „Wie ... wie könnt Ihr eswagen, in so abstoßender Weise mit mir zu sprechen!“, flüsterte sie empört, mit einem sehnlichen Blick auf ihre teetrinkenden Verwandten am anderen Ende des Raums. „Ich bin keine Eurer Huren, die Ihr ...“

Das brachte seinen harten Blick dazu, ihr in das schöne Gesicht zu sehen. „Kommt, Miss Despard“, sagte er mit gelangweilter Gleichgültigkeit. „Eure Vortäuschung verletzter Empfindsamkeit beleidigt meine Intelligenz. Es ist ein bisschen zu spät, jungfräuliche Empörung zu zeigen.“ Er beobachtete, wie sie angestrengt schluckte, und als sie ihre zarte Nase dem Fenster zuwandte und ihm einen Blick auf ihr schönes Profil bot, lächelte er schief. Wie gut sie die Rolle der verletzten Weiblichkeit spielte! Als ob sie die geschädigte Person wäre. „Im Übrigen vergeude ich keine Zeit an Gespräche mit Huren.“

„Wenn Ihr hofft, mich mit Eurem ... Eurem ... damit zu verunsichern, dann befindet Ihr Euch sehr im Irrtum über meinen ... meinen ...“ Sie hielt inne und biss auf ihre volle Unterlippe, denn wie konnte sie das Wort Charakter aussprechen, wenn sie keinen hatte?

Er schien ihre Gedanken lesen zu können, denn er sagte so leise, dass sie ihn nur gerade verstehen konnte: „Ihr wart klug, es nicht auszusprechen. Ihr verlort das wenige an Charakter, das Ihr hattet, als Ihr auf Beständigkeit und Anstand gepfiffen habt, um Euch mit einem gewissenlosen alten Kaufmann einzulassen. Aber da Ihr die Tochter Eures Vaters seid, neige ich dazu anzunehmen, dass Sir Felix Euch nie die Bedeutung dieser Worte gelehrt hat. Daher will ich zugeben, dass der Fehler bei mir liegt, da ich mich von Eurem schönen Gesicht habe einfangen lassen.“

Jane begegnete tapfer seinem Blick, aber als sie den Hass in seinen Augen sah, bildete sich ein schmerzhafter Knoten in ihrer Brust, der es ihr schwer machte zu atmen. Sie verstand nicht, was sie getan hatte, um solchen Abscheu zu verdienen. Er sprach davon, dass sie weder beständig noch anständig sei, und doch, wenn sie in jenen Tagen, Wochen und Monaten nach der Nacht im Sommerhaus eines gewesen war, dann beständig. Sie verstand auch nicht, warum er eine so tiefe Abneigung gegen Jacob Allenby hegte, dem einzigen Menschen, der ihr eine Zuflucht geboten hatte. Sie wusste, dass es sinnlos war, ihren eigenen Charakter gegenüber diesem männlichen Riesen der Unvernunft zu verteidigen, aber es gab keinen Grund für ihn, das Andenken ihres Wohltäters zu beschmutzen. Sie zwang sich, nach außen ruhig zu bleiben.

„Eure große Erfahrung mit dieser Art von Frauenzimmer mag Euch dazu verführen, mit mir zu sprechen wie mit jeder Hure Eurer Bekanntschaft“, sagte sie mit fester Stimme. „Aber es gibt Euch kein Recht, Mr. Allenbys untadeligen Charakter zu verleumden. Ich habe nie gehört, dass auch nur ein unfreundliches Wort über ihn gesprochen worden wäre. Und trotz der schwierigen Umstände, unter denen ich unter seinem Dach lebte, hatte ich nie Grund ...“

Salt sah sie mit großen Augen an, entsetzt. „Ich werde nicht hier stehen und Eurem Lob zuhören ...“

„... ihn zu ohrfeigen!“

Es entstand ein Augenblick der Stille, dann ließ der Earl ein solch bellendes, aufrichtiges Lachen aus, dass er die Teetrinkenden zu plötzlichem Schweigen veranlasste.

„Meine liebe Miss Despard, ist Euer Stolz noch immer verletzt?“

„Ich habe keine Ahnung, worauf Ihr Euch bezieht, Mylord.“

„Nein?“, fragte er neugierig, und der Zorn war aus seiner Stimme verschwunden. „Ich würde mein bestes Jagdpferd darauf verwetten, dass Ihr überaus enttäuscht wart, als Euer Euch beschützender Kaufmann an diesem Tag auf der Jagd eingriff. Um die Wahrheit zu sagen, Ihr hattet keinen Grund, mich derart zu schlagen. Ich hatte nicht die Absicht, Euch ein zweites Mal von meiner großen Erfahrung kosten zu lassen.“

„Was für ein langweiligesinhaltsloses Leben Ihr führen müsst, wenn Ihr Euch an einen so unwichtigen Zwischenfall erinnert. Ich versichere Euch, ich hatte es völlig vergessen, bis Ihr mich jetzt daranerinnertet.“

Sein Lächeln war sardonisch. „Ich bezog mich auf Euer langweiliges, inhaltsloses Dasein, Madam. Eure Hand war nicht die einzige, die diese edle Wange je geschlagen hat.“

„Was für ein Trost zu wissen, dass es mehr weibliche Wesen gibt, die den sittenlosen Lord von Wiltshire verschmäht haben!“

„Nein. Das habe ich nie gesagt. Jeder andere Schlag lud zu einer Verfolgung ein; bei Euch hatte ich danach nicht das Verlangen. Leichtes Wild interessiert mich nicht. Nein, wendet Euer Gesicht nicht ab“, befahl er mit leiser Stimme und presste ihr schmales Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger, um sie dazu zu zwingen, zu ihm aufzusehen. „Gehen wir morgen zum Pfarrer oder nicht?“

Zu ihrer Scham und ihrer Verlegenheit fühlte Jane, wie heiße Tränen in ihren Augen brannten und sie schluckte hart, unfähig, ihm sogleich eine Antwort zu geben. Er hatte durch seine Feststellung des so schmerzlich Offensichtlichen den bloßliegenden Nerv ihres Lebens unter Jacob Allenby getroffen. Der alte Kaufmann aus Bristol hatte sie ernährt und gekleidet, und im Gegenzug, wann immer er das kleine, strohgedeckte Cottage besuchte, das in einem Wäldchen zwischen den Ländereien der Sinclairs und dem Anwesen Allenbys versteckt lag, hatte sie ihm zur Verfügung zu stehen. Ohne Toms unter Aufsicht stattfindende vierteljährliche Besuche wäre ihr Leben unerträglich gewesen. Und jetzt wagte dieser arrogante Lord, sie zu verhöhnen und zu erwarten, dass sie ihn von einer Verpflichtung entband, die er in vollem Bewusstsein der Umstände eingegangen war.

Es demütigte sie, daran zu denken, dass ihr entfremdeter Vater auf seinem Totenbett Lord Salt gezwungen hatte, ein Versprechen zu halten, das er ihr Jahre zuvor gegeben hatte. Ihr Vater hatte den Ehrgeiz seines Lebens erfüllt, indem er ihre Heirat mit diesem arroganten Edelmann durch Erpressung erzwang, ohne einen Gedanken an ihre Gefühle dabei oder an die Kränkungen, die sie als Frau eines widerwilligen Ehemannes würde ertragen müssen. Es demütigte sie noch mehr, dass Jacob Allenby ein abscheuliches Testament verfasst hatte, das ihr keine andere Wahl ließ, als den Heiratsantrag des Earls anzunehmen oder dem finanziellen Ruin ihres Bruders zuzusehen. Und so sehr sie Lord Salt von seiner erzwungenen Verpflichtung zu entbinden wünschte, so sehr sie ihm zu sagen wünschte, warum sie sein zweifelhaftes Angebot, sie zu heiraten, annehmen musste, konnte sie es nicht; mit schmerzendem Herzen und zögernder Stimme gab sie dem Earl die Antwort, von der sie wusste, dass er sie nicht im Geringsten hören wollte.

„Es gibt Tatsachen ... Umstände ... Ja, Mylord, wir werden morgen zum Pfarrer gehen.“

„Ihr überrascht mich“, sagte er mit einem hässlichen Zug um den Mund. „Aber welches Weib könnte schon der Verlockung einer Grafenkrone widerstehen? Seid so gut und streckt Eure linke Hand aus.“

Teilnahmslos tat Jane, was ihr gesagt wurde und erhielt zur Belohnung einen filigranen Goldring mit Saphiren und Diamanten über ihren Ringfinger gestreift. Sie schaute ihn nicht an, noch wurde ihr bewusst, dass der Ring zu groß für ihre schmalen Finger war, bis der Earl erwähnte, dass er den Ring verkleinern lassen würde, sobald sie verheiratet wären. Sie hatte gedacht, dass ihre Demütigung vollkommen wäre, bis ihr befohlen wurde, sich auf einen hochlehnigen Stuhl zu setzen, der in die Mitte des türkischen Teppichs beim Feuer gestellt worden war. Erst dann erkannte sie, dass sie mit dem Earl und seinem unaufdringlichen Sekretär allein im Salon war.

Tom und seine Mutter hatten sie im Stich gelassen.