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Tödliche Gefahr

EIN HISTORISCHER KRIMINALROMAN AUS DER GEORGIANISCHEN ZEIT

Übersetzt von Susanne Döring

Alec Halsey Krimireihe Buch 3

Winter 1763. Alec, Lord Halsey, wird auf eine diplomatische Mission nach Ostfriesland geschickt, einem am Rande des Heiligen Römischen Reichs gelegenen Staat, um dort über die Freilassung dort gefangener Freunde zu verhandeln. Ostfriesland ist ein Ort großer Gefahr und dunkler Geheimnisse; ein Land im Bürgerkrieg; regiert von einer Familie, in deren Adern der Wahnsinn fließt. Für Alec ist es ein Ort unsäglicher Erinnerungen, dem er nur knapp entfliehen konnte und an den niemals zurückzukehren er sich geschworen hatte. Aber er muss zurückkehren, wenn er das Leben von Emily St. Neots und Sir Cosmo Mahon retten will. In einem Rennen gegen die Zeit reisen Alec und die englische Gesandtschaft über das eisige Ödland zu der Festung, wo Emily und Cosmo gefangen gehalten werden. Der strenge Winter ist ebenso ihr Feind wie die Soldaten der gegnerischen Armeen, die entlang der Strecke lagern. An seinem Ziel erwarten ihn der Markgraf und seine Schwester, die nichts weniger fordern als Alecs Kopf auf einer Pike.

Gewinner des Readers’ Favorite Award, des Preises für den besten veröffentlichten Kriminalroman RONE, auf der Shortlist und zweitplatziert beim RONE Preis für Covergestaltung von Krimis und Thrillern. Auf der Shortlist für den M&M Book Award or Outstanding Cozy and Not-So-Cozy Mysteries.


Umschlagbild und Fotografie von Larry Rostant
Länge: 116.000 Wörter
Englischer Originaltitel: Deadly Peril

 

 
 

Spitzenbewertungen und Auszeichnungen

Lucinda Brant hat wieder einmal eine köstlich komplexe Geschichte erfunden, die immens gut lesbar ist und die man nicht aus der Hand legen kann. Ihre Art zu schreiben ist eine Freude zu lesen; sie behandelt ihre Leser nie von oben herab und erlaubt uns, allen Hinweisen zu folgen, ohne dass sie den Eindruck erweckt, uns mit der Holzhammermethode darauf hinzuweisen oder alles in regelmäßigen Abständen zu erklären. Die Auflösung ist ebenso eiskalt wie verblüffend, und obwohl ich sagen kann, dass ich eine Ahnung hatte, wohin es führen würde, ließ sie mich wirklich bis zur letzten Minute zweifeln und erwischte mich dann gänzlich auf dem falschen Fuß. Wenn Sie demnächst einen fesselnden, intelligent geschriebenen und kunstvoll aufgebauten historischen Krimi lesen wollen, müssen Sie nur nach "Tödliche Gefahr" suchen. Ich verspreche, Sie werden es nicht bereuen.
Als "Buch für eine einsame Insel" bewertet
Caz Owens All About Romance

Lucinda Brant ist eine begnadete Geschichtenerzählerin und sie hat die Gabe, Geschichte wieder aufleben zu lassen und dem Leser eine historische Epoche lebendig vor Augen zu führen. Dies ist ein Buch voll breit erzählter Geschichten, die mit Aufregung durchzogen sind. Die Liebesgeschichte zwischen Alec und Selina trägt zu der großen Spannung bei. Der Hintergrund ist geradezu herrlich, eine raue Landschaft, Menschen in der Situation eines Krieges und faszinierende Landschaften, die in eleganter Prosa beschrieben sind. Vom Plot bis zu den Charakteren ist "Tödliche Gefahr" eine faszinierende, spannende und äußerst unterhaltsame Geschichte.
★★★★★
Christian Sia Readers’ Favorite


 

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Vorschau

SCHLOSS HERZFELD, FÜRSTENTUM OSTFRIESLAND
(OSTFRIESLAND), HERBST 1763

Das Schlafzimmer war dunkel und ungelüftet. Der Geruch schalen Urins, blutigen Schleims und von Arzneien allgegenwärtig. Nur eine Reihe von Kerzen warf vom Nachttisch her ein gelbes Licht über die schwer bestickte Decke. Die Dochte hätten geschneuzt werden müssen, aber niemand hatte sich darum gekümmert, einen Diener zu rufen. Alles konzentrierte sich auf den Mann, der in dem großen Staatsbett mit dem riesengroßen, geschnitzten Kopfteil lag - dort, wo alle Markgrafen von Ostfriesland starben.

Leopold Maxim Herzfeld lag in den letzten Zügen. Eingefallen und schwach war er auf weiche Daunenkissen gestützt. Ein weißes, leinenes Nachthemd mit feiner Spitze an Handgelenken und Kragen bedeckte verfallenes Fleisch, die zusammengefallenen Adern beider Arme wurden verborgen. Er war so oft zur Ader gelassen worden, dass die Egel mit ihren fetten Körpern sich nicht länger vollsaugen konnten. Sein Bewusstsein kam und ging, er rasselte und keuchte mit zurückgeworfenem Kopf und weit offenem Mund, angestrengt durch eine zundertrockene Kehle Atem in seine wassergefüllten Lungen saugend.

Ein ergebener Diener hatte die seidene Nachtmütze weggenommen und an ihrer Stelle eine prachtvolle Perücke arrangiert, deren fließende Locken mit Pomade behandelt, gepudert und gelockt waren, wie es sich für den königlichen Träger gehörte. Im Leben hatte ein solcher Griff zu modischer Kunst die starken, fleischigen Züge Markgraf Leopolds ergänzt. In seiner Todesstunde war die Perücke große Eitelkeit. Sie half nur zu betonen, bis zu welchem Zustand sein Gesundheitszustand sich verschlechtert hatte, seit er vor sechs Monaten nach Schloss Herzfeld zurückgekehrt war, und warum das Geflüster über Gift sich hartnäckig hielt.

Tausend Kerzen erhellten die Schlosskapelle, in der rund um die Uhr gebetet wurde. Fromme Mitglieder des Hofes kamen und gingen und füllten die Kirchenstühle. Einige blieben stundenlang auf ihren bestrumpften Knien und beteten um ein Wunder - dass Markgraf Leopold sich erholen möge. Täte er dies nicht, wäre ein Bürgerkrieg wahrscheinlich, und das nach einem Jahrzehnt des Krieges, in dem das Land sich zuerst vom Feind und dann von einem Verbündeten besetzt gesehen hatte, die beide im Land und bei seinen Menschen Verwüstungen angerichtet hatten.

Andere Mitglieder des Hofes, die nicht willens waren, ihre Zukunft in Gottes Hand zu legen, hielten es für politisch klüger, im prachtvoll vergoldeten, marmornen Vorzimmer der Prunkzimmer herumzustehen. Sie steckten mit ihren Fraktionen am Hofe die Köpfe zusammen, stritten in heftigem Flüsterton, beschlossen, ob sie den einen oder den anderen Prinzen unterstützen würden oder neutral bleiben sollten, wenn der Bürgerkrieg käme. Niemand wagte es, das Vorzimmer zu verlassen, denn sie befürchteten nicht nur, in ihrer Abwesenheit von ihren Freunden hintergangen zu werden, sondern ihre Bewegungen wurden sorgfältig von der Leibwache, die an den Wänden des Raumes Aufstellung genommen hatte und vor den Türen des fürstlichen Schlafzimmers Wache hielten, beobachtet.

Manch ein nervöser Höfling ließ sich auf einem behelfsmäßigen Lager nieder, schickte Lakaien hin und her nach Speise und Trank und um die Nachttöpfe zu leeren. Sie kritzelten Briefchen mit den neuesten Nachrichten gleichzeitig an ihre Frauen, Mätressen und Töchter, die in ihren Gemächern in der Schlossanlage auf und ab wanderten, bereit, mit ihrer Habe jeden Moment die Flucht zu ihrem Landsitz anzutreten. Einige hatten beschlossen, den einschneidenden Schritt zu tun und die Grenze nach Hannover zu überschreiten - die einzige Alternative für sie, wenn sie ihre Köpfe behalten wollten.

Ausländische Würdenträger und Bürokraten auf der Suche nach Neuigkeiten schlurften auch in das Vorzimmer der Staatsräume hinein und wieder hinaus. Niemand konnte ihnen irgendetwas sagen, daher gingen sie wieder und schickten ihre Untergebenen, sich unter die perückengekrönte Menge zu mischen, während sie Berichte nach Hause an ihre Herren schrieben und um Anweisungen baten - sollten sie Prinz Ernst unterstützen, Prinz Viktor Avancen machen oder zusehen, dass sie fortkamen, solange Grenzen und Häfen des Landes offen blieben.

Der bevorstehende Tod des Markgrafen war eine feststehende Tatsache. Das hätte auch für seinen Nachfolger gelten sollen. Der Sohn folgte auf den Vater, so, wie es seit dreizehn Generationen gewesen war. Prinz Ernst war der älteste Sohn des Markgrafen. Jedoch gab es solche, die dafür waren, dass der charismatischere Prinz Viktor den Platz seines Vaters einnehmen sollte. Prinz Ernsts jüngerer Halbbruder war von der Nachfolge jedoch durch seine bürgerliche Abstammung ausgeschlossen. Die zweite Ehe des Markgrafen war eine morganatische Heirat gewesen.

Der siebenjährige Krieg änderte alles.

Friesland wurde durch die Franzosen überrannt und dann von den Engländern besetzt. Überall herrschte Chaos, Kampf und Blutvergießen. Das Ende des Krieges brachte das Ende der Schlachten, jedoch nicht der Not für die Untertanen des Markgrafen. Und darüber hinaus wurden über die Grenzen, politische wie wirtschaftliche, hinweg Allianzen neu definiert und festgeschrieben, und das nicht zu Ostfrieslands Gunsten. Viele am Hof wollten einen völligen Bruch mit der alten Ordnung, zu der Prinz Ernst gehörte, und setzten ihr Leben für eine Veränderung aufs Spiel. Von seinem Palast im Süden des Landes hatte Markgraf Leopold den für Wandel sprechenden Stimmen gelauscht und auch denen jener Höflinge, die den Status Quo vorzogen. Er war dann nach Norden zum Schloss Herzfeld gereist, wo Prinz Ernst als Befehlshaber der ostfriesischen Armee stationiert war, hatte die Zugbrücke überquert und war unter dem mitreißenden Jubel seiner kriegsmüden Volkes, den unterwürfigen Verbeugungen seiner Höflinge und den einladenden offenen Armen seines ältesten Sohnes mit seinem Gefolge auf dem Marktplatz eingezogen.

Prinz Ernst, der tapfer im Krieg gekämpft hatte, wurde in einer öffentlichen Zeremonie mit der höchsten militärischen Auszeichnung des Landes, dem ostfriesischen Minotaurus, einem Orden am Bande, der selten verliehen wurde, geehrt. Das war die letzte Gelegenheit, bei der der Markgraf in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Er setzte nie wieder einen Fuß aus den befestigten Mauern des Schlosses. Innerhalb von Monaten lag der siebzehnte Herzfeld, der in ununterbrochener Linie vom Vater auf den Sohn regiert hatte, auf dem Sterbebett.

Der Oberarzt hatte keine Ahnung, was die Krankheit des Markgrafen verursacht hatte, aber er war sich sicher, dass sie tödlich war. Jedoch klammerte sich der Markgraf hartnäckig ans Leben, seine zeitweiligen, angsterfüllten Ausbrüche waren ein Zeichen dafür, dass sein Geist sich mit einem inneren Konflikt herumquälte, den nur er kannte. Sein Arzt sagte, er wäre im Delirium. Sein Pfarrer sagte, er reinige seine Seele von Schuld. Sein Sohn stimmte beiden zu. Aber niemand wusste, was ihn quälte.

Als der Hauptmann der Leibwache berichtete, dass die Bewohner des Schlosses zunehmen unruhig nach Nachrichten über ihren Herrscher verlangten, Gerüchte über Gift jeden Tag lauter wurden, befahl Prinz Ernst, dass eine zweite Abteilung von Truppen im Schloss einziehen sollte. Was außerhalb der dicken Mauern von Schloss Herzfeld geschah, war unwichtig - vorerst.

Der Obersthofmeister flehte Prinz Ernst an, irgendeine Proklamation verlesen zu lassen, zumindest vor den Höflingen im Vorzimmer, um wenigstens unter ihnen die Unruhe zu unterdrücken. Prinz Ernst sagte, der Hof könnte warten; der Tod würde bald genug eintreten.

Als der Oberarzt erklärte, dass der Tod unmittelbar bevorstünde, ließ der Prinz alle Anwesenden aus dem Schlafzimmer schicken. Der Markgraf sollte seine letzten Augenblicke auf Erden nur mit seiner anwesenden Familie verbringen.

An der Doppeltür warf der Obersthofmeister noch einen letzten Blick über seine Schulter auf den Markgrafen, dem er drei Jahrzehnte lang treu gedient hatte. Was er sah, ließ ihn umdrehen und innehalten. Nicht, weil sein Herr in seiner skelettähnlichen Magerkeit, die von einer dünnen, gelblichen Haut bedeckt wurde, unkenntlich geworden war. Sondern wegen der Tatsache, dass Markgraf Leopold alle Kraft, die ihm noch verblieben war, dazu anstrengte, einen Arm von der Decke zu heben und einen Finger in seine Richtung auszustrecken. Erschrocken huschte der Obersthofmeister in das trübe Licht zurück, nur, dass der Hauptmann ihn anzischte:

„Verlasst ihn, Herr Baron. Er ist nicht mehr bei Verstand.“

Der Obersthofmeister ignorierte ihn. Er ging zum Fußende des Betts, den Hauptmann auf den Fersen. Der Markgraf mühte sich, seinen Kopf aus den Kissen zu heben, sein Blick war starr, als ob er seinen treuen Diener zwingen wollte, seine Gedanken zu lesen. Der Obersthofmeister ging am Bett entlang, kam noch näher.

„Ich flehe Euch an ...“, wimmerte der Markgraf und sah an seinem Sohn, der seine Hand ergriffen hatte, vorbei, den Obersthofmeister an. „Lasst mich ... nicht ... allein ... Nicht - mit ihr.“

„Durchlaucht, selbstverständlich werde ich bleiben, wenn das Euer Wunsch ist.“

„Er ist im Delirium, Haderslev. Er weiß nicht, was er sagt“, sagte Prinz Ernst müde und wandte sich dann an den Hauptmann der Leibwache. „Westover! Bringt ihn hier fort. Er regt ihn nur auf.“

„Selbstverständlich, Hoheit“, erwiderte Hauptmann Westover und schlug mit der Hand auf Baron Haderslevs Schulter. „Herr Baron, es ist Zeit zu gehen.“

„Seine Durchlaucht möchte, dass ich bleibe“, klagte der Obersthofmeister und schüttelte den Hauptmann ab, um näherzutreten. „Also werde ich hierbleiben!“

„Keine Sorge, Papa. Sie ist nicht hier“, beruhigte Prinz Ernst seinen Vater im Flüsterton.

„Ich ... nicht ...“, murmelte der Markgraf erregt und fiel in seine Kissen zurück. „Ernst. Lass sie ... nicht ...“

„Ich habe dir mein Wort gegeben.“

Der Markgraf schloss die Augen, war aber nicht weniger erregt. „Das wird ... sie nicht ... aufhalten ... Sie ... sie hasst ... mich. Hasst Viktor ... uns alle.“

Prinz Ernst spürte, wie der Obersthofmeister und der Hauptmann hinter seinem Rücken standen und schaute sich rasch um. „Meine Stiefmutter“, bemerkte er, als ob sie die Frage gestellt hätten. Er schaute Hauptmann Westover an. „Gräfin Rosine steht unter Hausarrest, ja?“

„Wie Ihr befohlen habt, Hoheit“, versicherte ihm der Hauptmann. „Sie darf keinen Besuch empfangen und ohne Eure Erlaubnis geht niemand hinein oder heraus.“

Prinz Ernst nickte. „Und mein Bruder?“

Bevor der Hauptmann antworten konnte, öffnete der Markgraf seine Augen und drehte seinen Kopf auf dem Kissen, um mit weit aufgerissenen Augen seinen Sohn anzuschauen, und brach aus:

„Halte sie unter Kontrolle, Ernst. Erlaube ihr ... nicht, dich ... zu ... zu beherrschen.“ Er ließ ein frustriertes, schmerzvolles Stöhnen hören und schloss seine Augen wieder fest. „Mein Gott, mache dieser Qual ein Ende!“

„Ruhig, Papa“, antwortete der Prinz und drückte die Hand seines Vaters. Er sah wieder zum Hauptmann und dem Obersthofmeister auf. In seinen Augen standen Tränen. „Um Himmels willen. Erlaubt uns wenigstens diese letzten wenigen Momente allein!“

Beide Männer erbleichten und verbeugten sich tief. Mit einem Nicken zogen sie sich in die Schatten zurück zu den Doppeltüren. Der Raum war so dunkel, dass Prinz Ernst nur am Klicken des Türschlosses erkannte, dass beide Höflinge gegangen waren. Er wusste auch, dass seine Zwillingsschwester in der Dunkelheit lauerte und abwartete, wartete, dass die anderen gehen sollten, bevor sie sich zeigte, zeigte, wer die Stärkere von ihnen beiden war. Prinz Ernst, der große militärische Führer, furchtlos im Kampf, siegreich in der Schlacht, war gegenüber Joannas Listen schwach.

Prinzessin Joanna erschien aus der Finsternis, um auf ihren Vater hinabzusehen, der sie vom Hof verbannt hatte, aus der Gesellschaft verbannt hatte und sie in dieser Festung seit mehr als einem Jahrzehnt buchstäblich als Gefangene gehalten hatte. Sie sah zu, wie er sich in dem großen Bett im trüben gelben Licht der Kerzen wand und herumwarf und tätschelte sanft seine dünne Hand.

„Papa, ich bin hier“, flüsterte sie, küsste seine Stirn und fuhr dann mit einer kühlen Hand über seine feuchte, heiße Stirn. „Ich bin es, Joanna, Papa. Dein geliebter kleiner Vogel ist aus seinem Käfig geflohen, um dich zu retten. Papa…?”

Die Augen des Markgrafen blinzelten, bis sie groß wurden und er schaute sich nach seinem Sohn um. Aber es war Joanna, die mit einem liebevollen Lächeln zu ihm herabsah. Er war so überwältigt, dass er zu weinen begann. Und als Joanna seine Stirn wieder küsste und tröstliche Geräusche von sich gab, wurde sein schwacher Körper über und über von schmerzhaften Schluchzern geschüttelt, ohne dass er einen Laut von sich gab. Sie ging daran, seine Arme wieder unter die Decken zu stecken und zog dann sanft eines der Kissen unter seinem Kopf weg, wobei sie darauf achtete, nicht die kunstvolle Allongeperücke zu zerdrücken, so dass sein Kopf flach im Bett lag.

„Es ist Zeit, Papa“, sagte sie.

Der Markgraf warf seinen Kopf hin und her, aber er war so schwach und nachdem sein Körper jetzt unter den Decken gefangen war, war er machtlos. Jede Kraft, um sein Leben zu kämpfen, die er aufgebracht hatte, um den Obersthofmeister anzuflehen, war verschwunden. Doch er hatte noch seine Stimme, dünn, wie sie war.

„Ernst!“, bettelte er und suchte im Dunkel nach seinem Sohn. „Bist du hier?“ Aber als sein Sohn ihm nicht antwortete, flehte er seine Tochter an, obwohl er wusste, dass es sinnlos war. Jedoch musste er versuchen, an ihren Verstand zu appellieren - soweit davon noch etwas übrig war. „Joanna. Hör auf Papa ...“

„Ich tue dies nicht für mich selbst, sondern für Ernst, liebster Papa“, sagte Prinzessin Joanna ruhig, bedeckte das Gesicht des Markgrafen mit dem Kissen und hielt es dort fest, bis ihr Vater völlig ruhig geworden war. „Du verstehst das doch, nicht wahr, Papa? Für Ernst.“

Es war Prinz Ernst, der behutsam das Kissen entfernte und seinen Vater anschaute, der klein und gebrechlich auf dem großen Bett lag, der Mund offen und die prachtvolle, gepuderte Perücke verrutscht, so dass sie ein Auge bedeckte. Er schnappte erschreckt nach Luft, glaubte nicht, dass sein Vater nicht länger atmete. Er legte sein Ohr an dessen Mund, berührte seine Wange und dann die Stirn. Aber er wusste es, er wusste, sobald er ihn angesehen hatte, dass er tot war.

Der Markgraf Leopold Maxim Herzfeld, der das kleine Fürstentum Ostfriesland fünfunddreißig Jahre lang regiert hatte, war tot. In seiner letzten Stunde ermordet. Prinz Ernst, der hochdekorierte soldatische Held des letzten Krieges, Gouverneur von Schloss Herzfeld und Leopold Maxims ältester Sohn, würde ihm jetzt als Markgraf nachfolgen und Ostfriesland regieren.

Und seine Schwester, Prinzessin Joanna, würde ihn regieren.

Er brach in Tränen aus.