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Tödliche Verlobung

EIN HISTORISCHER KRIMINALROMAN AUS DER GEORGIANISCHEN ZEIT

Übersetzt von Susanne Döring

Alec Halsey Krimireihe Buch 1

Frühling 1763. Der Berufsdiplomat Alec Halsey kommt nach London zurück und erfährt die schockierende Neuigkeit, dass sein ihm entfremdeter Bruder, der Earl of Delvin, nicht nur seinen Freund in einem Duell getötet hat, sondern auch mit der Frau verlobt ist, die Alec zu heiraten hoffte. Die Mutter des getöteten Mannes möchte, dass Alec den Tod untersucht, daher nimmt er widerstrebend an einer Wochendendgesellschaft teil, bei der die Verlobung gefeiert wird. Die Hausgäste erleben mehr, als sie erwartet haben, als eine Zofe ermordet, die Braut überfallen und ein Gast erschossen wird. Alec muss sich mit einer grausamen Schicksalswendung und dem Grund, aus dem sein Bruder alles tun würde, um ihn in den Augen der guten Gesellschaft zu ruinieren, auseinandersetzen, um eine Verbindung zwischen diesen finsteren Taten und dem Duell seines Bruders aufzudecken.

Lucinda Brants Kriminalgeschichten befassen sich mit der dunkleren Seite ihrer reichen, authentischen Welt des 18. Jahrhunderts. Mit ihrem typischen Witz und hoher Dramatik schafft sie hier tiefere Nebenhandlungen und noch skurrilere Charaktere, die Sie gleichermaßen zum Lachen und zum Schaudern bringen.

USA TODAY Bestseller, ausgezeichnet mit der B.R.A.G. Plakette, im Finale der Romance Writers of Australia Romantic Book of the Year.


Umschlagbild und Fotografie von Larry Rostant
Länge: 102.000 Wörter
Englischer Originaltitel: Deadly Engagement

 

 
 

 

Spitzenbewertungen und Auszeichnungen

Von außen betrachtet, ist das Leben eines Mitglieds des Adels wundervoll, aber Lucinda Brant sieht hinter den schönen Schein und versenkt sich tief in die schmutzigen Geheimnisse, die Menschen zu allen Zeiten immer zu verbergen versucht haben. Ich wurde an meine Jugend erinnert, als ich historische Liebesgeschichten und Kriminalgeschichten förmlich verschlang. Ich wette, dass niemand diesen ersten Band der Alec-Halsey-Reihe lesen kann, ohne mehr über den gutaussehenden Alec Halsey mit seinem hohen Verständnis von Moral, seiner dunklen Schönheit und seinem wundervoll analytischen Verstand haben zu wollen. Ich kann nur Gutes über Tödliche Verlobung sagen“.
Francine Zane, Readers’ Favorite  ★★★★★

 

Die Handlung mit alle ihren Drehungen und Wendungen hielt mich gefesselt und die Auflösung ist sehr schlau. Das Buch enthält eine Reihe großartiger Charaktere, die alle von dem Vorleser Alex Wyndham perfekt beschrieben werden, dessen offensichtliche Freude am Erzählen dieser Geschichte offensichtlich ist. Tödliche Verlobung ist eine fantastische Geschichte, die durch den großartigen Alex Wyndham nur noch besser gemacht wird. Ich freue mich schon auf den nächsten Band der Reihe.“

Wendy Romantic Historical Reviews ★★★★★

 
 
 

 

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Vorschau

LONDRA, FRÜHLING 1763

Alec Halsey kam in die Kühle der weiträumigen Marmorhalle von St. Neots Hause, dem Heim seiner Patin, der Herzogin von Romney-St. Neots, geschritten und entledigte sich hastig seines dicken Umhangs, der ledernen Reithandschuhe, Schärpe und Schwert. Er drückte diese einem aufwartenden Lakaien in die Hand und stieg die geschwungene Marmortreppe zwei Stufen auf einmal hinauf. Auf dem ersten Treppenabsatz hielt er an, als ob er sich an seine Manieren erinnerte, und lehnte sich über das Mahagonigeländer.

„Neave?“, rief er dem Butler zu, „sag der Herzogin, ich würde in Kürze bei ihr sein!“

„Ihre Gnaden hat Gäste zum Mittagsmahl, Sir!“, rief Neave in die Kuppel des höhlenartigen Eingangsfoyers hinauf. „Und Miss Emily ist ...“ Alec Halseys schwarzer Lockenkopf verschwand und der Butler fuhr herum, wo er sah, wie zwei Lakaien das Eigentum des Besuchers hielten und zeigte mit dem Finger auf den jüngsten, einen sommersprossigen Jungen mit einem Schopf roter Haare. „Lauf ihm nach! Er darf Miss Emily nicht stören. Deine Stellung hängt davon ab, Junge.“

Alec war in dem Flur, der zu den von der Enkelin der Herzogin bewohnten Räumen führte, als hastiges Atmen in seinem Rücken ihn sich umdrehen ließen. Ein junger Lakai kam auf ihn zugehoppelt, ähnlich wie ein Welpe läuft, dessen Beine noch nicht ganz ausgewachsen sind.

Hinter einer zweiflügligen Tür war der Klang von weiblichem Schwätzen und Lachen zu hören.

„Sir? Bitte, Sir. Nein!“, flehte der junge Lakai und kam direkt vor dem großen, langbeinigen Gentleman zum Stehen. „Ihr dürft dort nicht hineingehen! Mr. Neave wird mich 'rausschmeißen, wenn Ihr das tut!“

Alec blieb stehen, seine lange Finger bereits um den Türgriff gelegt, und schaute auf den sommersprossigen Jungen hinab, der respektvoll seine Augen senkte und mit den Füßen scharrte. Irgendetwas an dem Jungen kam ihm seltsam vertraut vor und ließ ihn innehalten.

„Wie heißt du?“

Der Lakai schrak zusammen. Die angenehme, schleppende Stimme klang nicht zornig, nur neugierig, und ließ ihn vorsichtig aufschauen, um sich zu fragen, was die Absicht hinter dieser Frage des Gentlemans war. Aber in den freundlichen, blauen Augen, in deren Winkel sich kleine Fältchen bildeten, war kein Hauch von Überheblichkeit zu bemerken; keine hochfahrende Art oder affektierte Sprechweise wie bei so vielen der Besucher in St. Neots House. Auch wenn die Kleidung dieses Gentlemans nicht mehr als gewöhnlich war - keine Silberschnüre, keine schaumigen Spitzen an seinen Handgelenken, keine Diamant-Schnallen auf den Laschen seiner Lederschuhe - nur guter, dunkler Stoff, eine schlichte Leinenkrawatte und Schuhe ohne hohe Absätze. Vielleicht konnte er vernünftig mit ihm reden und keine Ohrfeigen beziehen, weil er nur seine Arbeit machte. Er schluckte hart und ließ seinen Blick zu der Tür wandern.

„Verzeihung, Sir. Ich wurde Thomas Fisher getauft, aber die meisten rufen mich Tam, Sir.“

„Thomas Fisher“, stellte Alec fest und zermarterte sich das Gehirn nach einer Erinnerung; er konnte nicht sofort eine Verbindung herstellen. Er folgte dem Blick des Jungen zu der Doppeltür. „Nun, Thomas Fisher: Tam, ich werde dort mit oder ohne deine Zustimmung hineingehen. Meinst du, ich bin vorzeigbar genug, um mich anzukündigen?“

Tam fragte sich, ob er aufs Glatteis geführt würde. In diesen blauen Augen stand ein Ausdruck, den er nicht deuten konnte. Wenn Neave ihn hier im Gespräch mit einem Besucher fand, würde er wieder auf der Straße landen. Und Besucher, die Gentlemen waren, echte Gentlemen, betraten nicht die Privaträume einer Lady; mit Sicherheit fragten sie nicht nach der Meinung von Lakaien. Er schob sein Kinn energisch vor und legte gerade genug Frechheit in seine Stimme, um dem Gentleman seine Stellung bewusst zu machen.

„Präsentabel, Sir?“

Alec hob eine Hand. „Ich bin nicht empfindlich. Raus damit. Es ist das Haar, nicht wahr?“, sagte er und raffte das schulterlange Haar säuberlich im Nacken zusammen und schlang das Band, das es in Zaum gehalten hatte, wieder darum. „Nicht genug Wachs und kein Puder. Kann beides nicht ausstehen.“

Tam musste gegen seinen Willen grinsen. „Es ist, wie Ihr sagt, Sir. Eure Schuhe sind ansehnlich genug. Frauen kümmern sich überhaupt nicht um Staub auf Euren Schuhen, aber es gefällt ihnen, wenn ein Gentleman ordentlich aussieht. Wenigstens sagt Jenny das. Sie kann schlecht sitzende oder nicht ausreichend gepuderte Perücken nicht ausstehen. Sagt, das wäre nicht richtig. Aber Euer Haar ...“

„... ist mein eigenes. Ja. Mein einziges Zugeständnis an die Eitelkeit“, sagte Alec mit einem Augenzwinkern und schlüpfte durch die Tür, bevor der Lakai ihn aufhalten konnte.

Tam fluchte in sich hinein und stürzte hinter ihm her, während er in das ausgesprochen feminine Wohnzimmer trat, sagte er: „Bitte, Sir! Miss Emily hat ihre Schneiderin da. Sie empfängt keinen Besuch und ich bezweifle ...“

„Keine Sorge, Tam, ich werde bei Neave ein Wort einlegen.“

„... dass Sie Eure Stiefel oder Euer Haar bemerken wird, wegen der Feierlichkeiten.“

Das brachte Alec Halsey zu einem abrupten Halt und er starrte ihn verwirrt an. „Feierlichkeiten?“

Tam trat an ihn heran. „Die Verlobungsfeier, Sir. Es soll eine Wochenendparty geben. Hier in St. Neots House.“

„Verlobungsfeier? Hier?“

Tam sah den Ausdruck völliger Verwirrung im Gesicht des Gentlemans. Es war klar, dass diese Nachrichten neu für ihn waren. „Ja, Sir. Hat man Euch nichts davon gesagt?“

„Ich bin gestern vom Kontinent zurückgekommen. Ich war acht Monate fort. Eine Verlobungsfeier, sagst du. Wessen?“

„Miss Emilys, Sir.“

„Nein!“

„Ja, Sir. Miss Emily hat sich verlobt und wird heiraten.“

Wann?“

„Wie bitte, Sir?“

„Wann. Wann ist das passiert?

„Jenny, sie ist Miss Emilys Zofe ...“

„Ich weiß, wer Jenny ist!“

Tam senkte die Augen. Er hatte noch nie ein Gesicht so weiß wie ein Laken werden sehen. Den Ausdruck hatte er gehört. Die Haushälterin verwendete ihn ziemlich oft. Jetzt sah er es vor sich. Alec Halseys kantiges Gesicht hatte nicht nur jede natürliche Farbe verloren, sondern sein Hals hatte sich unter seiner Krawatte schmerzlich zusammengezogen. Plötzlich sah er krank aus. Tam fragte sich, ob er Weinbrand holen sollte.

Alec schluckte. „Ich meine nicht ... es ist nur ...“

„Eine Erklärung ist nicht nötig“, sagte Tam schnell, wandte seinen Blick ab und scharrte mit den Füßen, als er die Verlegenheit des Gentlemans spürte.

Er wünschte, ihm irgendwie helfen zu können. Er mochte Miss Emilys Verlobten nicht, trotz Jennys Meinung, dass der Earl of Delvin der bestaussehende Gentleman des Königreichs war. Lord Delvin trat zweifellos gut auf, bekleidet mit einer gepuderten Perücke nach der letzten Mode, einem schmalschultrigen Rock aus kunstvoll bestickter Seide, Diamanten auf seinen Schuhschnallen und Längen schaumiger Spitze an Handgelenken und Hals, aber an dem Adligen war doch etwas Unangenehmes. Tam wünschte, er hätte greifbare Beweise für dieses Gefühl, besonders, da Jenny ständig das Lob des Earls sang.

„Jenny hat es mir gesagt, Sir“, fügte er düster hinzu. „Miss Emily hat sich vor drei Tagen verlobt.“

Drei Tage ...“

Tam zuckte zusammen, als er den kläglichen Klang der tiefen Stimme hörte. „Es - es tut mir leid, Sir.“

Es blieb lange still. Das Schweigen wurde von Jenny unterbrochen, die aus dem Schlafzimmer ihrer Herrin geeilt kam, etwas über ihre Schulter sagte und direkt mit Tam zusammenstieß. Sie fiel einen Schritt zurück und legte eine Hand an ihre Haare.

„Tam? Was machst du ... Oh!“ Sie erblickte Alec und sank in einem respektvollen Knicks zusammen. „Mr. - Mr. Halsey? Sir!“ Ihre Augen wurden ganz rund und sie schaute Tam an, der seine Augen gesenkt und seine Hände hinter dem Rücken hielt.

Hinter ihr entstand ein Rauschen seidener Röcke, eine oder zwei Stimmen erhoben sich protestierend und dann stand Emily in ihrer ganzen blonden Lieblichkeit dort, ihre erdbeerblonden Locken mit ein paar langen Nadeln von den Schultern hochgesteckt. Sie trug ein neues Kleid aus gemusterter Seide, das nur zusammengeheftet war und am Mieder noch geändert werden musste, denn es war für den Geschmack der Herzogin viel zu tief ausgeschnitten.

Madame, die französische Schneiderin, war bei ihr und drängte sie, wieder zurück in ihr Zimmer zu kommen, damit sie ihre Arbeit fortsetzen könnte. Als sie einen Gentleman erblickte, gab sie ein erschrecktes, französisches Quietschen von sich. Jenny wirbelte herum, um ihre Herrin vor neugierigen Augen zu schützen, aber als Emily sah, wer es war, vergaß sie Madames Stecknadeln und warf sich Alecs regloser Gestalt entgegen.

„Du bist endlich zu Hause! Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr wir dich vermisst haben. Großmutter sagt ja kein Wort. Habt ihr zwei euch verschworen, um mich zu überraschen? Das sieht euch ähnlich! Oh, es ist so schön, dich zu sehen.“ Sie packte Alecs Hand und zog ihn in ihr Schlafzimmer, völlig übersehend, dass seine Laune nicht ihrer eigenen entsprach. „Pass auf, wo du hintrittst. Heute ist Anprobe. Jenny? Jenny! Vergiss den Tee. Bring Champagner. Ja. Champagner. Wir wollen Alecs Rückkehr feiern.“ Sie scheuchte Madame und ihre Helferinnen fort. „Ich werde aus diesem elenden Ding herauskommen und dann kann ich dich anständig zu Hause begrüßen. Also, was hältst du von diesem Kleid? Gefällt es dir?“

„Das Mieder ist unanständig.“

„Sagt Großmama auch. Aber das ist modern.“ Sie verschwand hinter einem reich verzierten Wandschirm in einer Ecke des sonnigen Zimmers und Madame folgte ihr, dabei in gebrochenem Englisch scheltend. „Du wirst mit mir zufrieden sein. Ich habe Phoenix gut in Form gehalten“, rief Emily von hinter dem Wandschirm. „Zum Nachteil meiner Pferde. Ich bin heute Morgen mit ihm ausgeritten. Erinnerst du dich an die Schwierigkeiten, die er mit seinem linken Sprunggelenk hatte? Nun, das ist wieder ganz in Ordnung, also musst du dir keine Sorgen machen. Ich nehme an, du willst ihn wieder zum St. James's Place mitnehmen? Da!“

Als sie wieder auftauchte, stand Alec an dem Fenster, das auf die Fläche des östlichen Rasens hinausging und sah von allem nichts. Er wünschte, überall zu sein statt hier. Plötzlich fühlte er sich müde. Als sie zu ihm herüberkam und ihn verspielt am Ärmel zupfte, konnte er sich nicht überwinden, sie anzusehen.

„Ich bin anständig angezogen“, sagte sie und setzte sich auf den Sitz des Fensters, an dem er stand. „Bis zum Hals und den Schuhen an meinen Füßen!“ Als er auf ihr spielerisches Geplänkel keine Antwort gab, fügte sie im Plauderton hinzu: „Wie war Paris? Hast du mir etwas Wunderbares mitgebracht? Etwas zum Anziehen? Oder vielleicht etwas für dieses Zimmer? Und ich muss dir für den Fächer danken, den du zur Weihnachtszeit geschickt hast. Er ist wunderschön. Großmama war fast neidisch.“

Alec drehte sich um und sah auf den unordentlichen Raum, auf die tiefen Teppiche, die mit Schnitten und Stoffen bedeckt waren, auf die vertrauten Bilder auf den gemusterten Tapeten der Wände, aber nicht zu ihr. Alles war so wie in seiner Erinnerung. Er war oft hierher gekommen. Um am Fenster an dem kleinen Tisch Tee zu trinken. Um ihre neuesten Neuigkeiten aus der Stadt zu hören und ihr dafür die Geschehnisse an den Höfen des Kontinents zu erzählen. Der Blick auf Tams Gesicht! Der Junge hatte keine Ahnung, oder doch? Er fragte sich, ob Jenny ihm in diesem Moment eine Gardinenpredigt hielt.

Jenny kam ins Zimmer zurück, gefolgt von Tam, der ein Tablett trug. Er stellte es auf den kleinen Tisch bei der Sitzgruppe aus Sofa, Chaiselongue und Sesseln und schaute zu Alec, nur, um diesen ihn ausdruckslos anstarren zu sehen. Jenny sah es auch und nach einem raschen Wort ließ Tam sie allein.

„Ich habe Euch einen Weinbrand mitgebracht, Sir“, sagte Jenny sanft.

„Nein, Jenny. Wir wollen Champagner trinken. Nicht wahr, Alec?“

Alec nahm das Weinbrandglas und trank, ohne etwas zu schmecken.

Emily nippte nachdenklich an ihrem Champagner. „Werden sie dir jetzt hier eine Stellung geben? Du - du gehst doch nicht gleich wieder weg, nicht wahr?“

„Wie ist sein Name?“

Emily blinzelte angesichts seiner Grobheit. „Wie bitte?“

„Der Name deines Verlobten“, betonte er kalt. „Wie - ist - sein - Name?“

An der äußeren Tür klopfte es leise und Jenny war froh, sich darum kümmern zu müssen und Emily alleinzulassen, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben neben dem Patensohn ihrer Großmutter unbehaglich fühlte. Sie verstand seine Kälte nicht. Sie dachte, ihr eigenes Glück würde ausreichen, damit er für sie glücklich wäre. Wie viele Male hatte er ihr wie ein älterer Bruder gepredigt, wie wichtig es wäre, den Anordnungen der Älteren zu folgen, aber sich nicht in eine Ehe drängen zu lassen, die ihr nicht gefiel. Und sie hatte genau das getan. Vielleicht musste sie ihm das versichern? Mit einem Schluck Champagner gestärkt sah sie tapfer zu ihm auf und sagte:

„Ich möchte Edward heiraten. Als er um meine Hand anhielt, ließ Großmama ihn wissen, dass es meine Entscheidung wäre, dass ich ihn nicht akzeptieren müsste, wenn ich das nicht wollte. Aber“, sagte sie mir klarerer Stimme, der ihr Glück Kraft verlieh, „ich möchte ihn heiraten. Ich möchte ihn sehr gerne heiraten.“

„Edward? Edward…”, wiederholte Alec leise. „Das ist nicht viel, um etwas zu wissen. Wer ist dieser Kerl?“

„Wir hatten uns nur bei ein paar Anlässen getroffen, bei öffentlichen Gesellschaften, aber ich wusste sofort, dass ich ihn akzeptieren würde, wenn er mich fragte“, fuhr Emily fort, weil Alec absolut nicht überzeugt aussah. „Großmama ist sehr glücklich für mich, vor allem, weil ich einen Earl heiraten werde.“ Sie sah zu den Champagnerbläschen hinab und ergänzte nervös: „Nicht, dass dieser Umstand dir viel bedeutet ...“

„Genau. Mir sind Titel gleichgültig“, stellte er fest. „Edward, Earl von was?“

„... aber für Großmama ist es wichtig“, sagte Emily fest und beendete ihren Satz, obwohl sie den Tränen nahe war. Sie wünschte, Jenny käme zurück. Sie wusste nicht, wie lange sie hier mit Alec sitzen konnte, der aussah, als wäre ihre Verlobung die schlechteste Nachricht, die er in seinem Leben je gehört hätte. „Edward hat mich gewarnt, dass dir das nicht recht sein würde“, gab sie naiv zu. „Aber ich habe ihm versichert, dass du nur mein Glück wünschst. Und du möchtest doch, dass ich glücklich bin, nicht wahr, Alec?“, fragte sie kleinlaut. „Unabhängig von der Missstimmung zwischen euch beiden, hoffe ich, dass du siehst, dass er mich glücklich machen will. Er ist sehr fürsorglich und liebevoll und oh, alles, was ein Mädchen sich bei einem Ehemann wünschen könnte. Ich weiß, dass ihr einander entfremdet seid, seit ihr kleine Jungen wart. Ihr könntet ebenso gut Fremde sein, gar keine Brüder ...“

Er hörte im dem Moment auf zuzuhören, als ihm klar wurde, dass sie mit seinem älteren Bruder verlobt war. Wenn ihn die Entdeckung, dass sie sich verlobt hatte, bis zu einer Art Empfindungslosigkeit schockiert hatte, raubte ihm jetzt das Wissen, dass der Mann, der sie ihm weggenommen hatte, sein eigener Bruder war, den Verstand; dies war nicht das erste Mal, dass sein Bruder sich in Alecs Leben eingemischt hatte.

Vor sechs Jahren hatte Delvin Alecs Verlobung mit Selina Vesey verhindert. Ein zweiter Sohn mit tausend Pfund im Jahr hatte nicht das Recht, eine Erbin zu heiraten, ganz gleich wie glänzend seine Aussichten im Außenministerium waren. Als sein älterer Bruder, der auch das Oberhaupt der Familie war, seine Ablehnung einer so ungleichen Verbindung öffentlich äußerte, war Alecs Schicksal besiegelt. Alec musste nicht nur die Demütigung ertragen, dass seine Werbung von Selinas Vater abgelehnt wurde, sondern war auch gezwungen, dabeizustehen, als die Liebe seines Lebens an George Jamison-Lewis verheiratet wurde, der zehntausend Pfund im Jahr hatte, der Enkel eines Herzogs und einer der Kumpane seines Bruders war.

Alec erwartete nicht, sich je völlig von dieser Enttäuschung zu erholen, aber Zeit half, die Wunde vernarben zu lassen. Und als er sich gerade überzeugt hatte, dass sein Leben endlich weitergehen würde, wenn er Emily bäte, ihn zu heiraten, hatte das erneute Eingreifen seines Bruders ihn einmal mehr seines persönlichen Glückes beraubt. Was sollte er tun?

Bevor er wusste, was er vorhatte, fand er sich auf halben Weg die geschwungene Treppe hinab, voller Drang - etwas zu tun, ohne zu wissen, was. Er wusste nur, dass er St. Neots House verlassen musste, um tausenden Erinnerungen zu entgehen, die in den Mauern ruhten, und um von Emily wegzukommen. Er musste einen Ort finden, wo er ruhig und vernünftig nachdenken konnte. Wenn das nicht gelang, würde er einen Ort finden, wo er überhaupt nicht denken müsste ...

 

 

Eine Dame in schwarzer Krepptrauerkleidung hatte gerade die Treppe betreten, es war unausweichlich, dass sie zusammenstoßen würden, so groß war der Umfang ihrer Reifröcke und Alecs blinde Entschlossenheit, aus St. Neots House zu verschwinden. Die schnelle Reaktion der Dame rettete sie vor einem Fall. Sie packte den Handlauf des Geländers mit einer behandschuhten Hand, während die andere sich am Ärmel des Gentlemans festhielt; eine kleine Gruppe, die sich gerade im Foyer verabschiedete, stieß einen kollektiven Seufzer der Erleichterung aus.

Nicht bevor der Körper der Frau hart gegen ihn schlug und er sie instinktiv auffing, wurde Alec klar, dass er mit vollem Schwung in jemanden hineingerannt war, der die Treppe heraufkam. Er hielt sie hart an seine Brust gepresst, ihre Herzen schlugen dumpf wie eins, als er darauf wartete, dass sie beide wieder fest auf den Beinen stehen würden. In dem kurzen Moment, in dem sie in seinen Armen war, atmete er den angenehmen blumigen Duft ihres Haares ein und verspürte unerklärlicherweise einen Stich der Nostalgie. Er erriet ihre Identität sofort. Sogleich ließ er sie mit einer kurzen Entschuldigung dafür, dass er ihre seidenen Röcke zerknittert hätte, los und wäre an ihr vorbeigegangen, aber sie bewegte sich unabsichtlich in dieselbe Richtung und sie standen einander wieder im Weg. Die ruhige Entschuldigung der Frau ließ Alec schließlich seinen Blick zu ihrem Gesicht heben.

Sie stand eine Stufe unter ihm und hatte ihre wogenden Röcke gerafft, um sich mit geradem Rücken gegen das Mahagonigeländer zu drücken und ihn vorbeigehen zu lassen. Doch Alec stand wie angewachsen auf der marmornen Stufe. Er starrte sie an wie eine Erscheinung, denn er war ihr seit sechs Jahren nicht näher als zehn Fuß gekommen. Er hatte nie geträumt, sie in Trauer zu sehen, obwohl er ihr das in den dunkelsten Tagen seiner Verzweiflung immer wieder gewünscht hatte. Aber nicht hier, nicht jetzt, nicht ausgerechnet an diesem Tag. Große, dunkle Augen voller Kummer sahen zu ihm auf und er wandte den Kopf ab, Röte überzog seine glattrasierten Wangen.

„Hat Emily Ihnen die Neuigkeiten erzählt, Mr. Halsey?“, fragte Selina Jamison-Lewis leise; sein Blut dröhnte so laut in ihren Ohren bei dieser unerwarteten Begegnung, dass sie das Zittern nicht aus ihrer Stimme verbannen konnte. „Ihre Verlobung, sie ... es war eine Überraschung für uns alle.“

Alecs blaue Augen betrachteten demonstrativ ihr Trauerkleid, bevor er ihr wieder in die Augen sah. „Zweifellos eine unzeitige und enttäuschende Nachricht für Sie, Madam?“

Selinas Lippen öffneten sich, aber sie wagte nicht zu sprechen, stand nur stumm da, als er sich knapp vor ihr verbeugte und seines Weges ging, ihr Erröten so rot wie die Haare des jungen Lakaien, der grob gegen ihre Schulter stieß, als er Alec Halsey zu folgen suchte.

Alec beachtete das Menschenknäuel nicht, das sich an der Tür verabschiedete und drängte sich ohne ein Wort oder einen Blick durch die aufwartenden Diener. Als der Butler mit seinem Umhang vortrat, verlangte er sein Schwert und streckte eine Hand nach seinen Handschuhen aus. Neave sagte etwas zu ihm, aber er hörte nicht zu. Eine ringgeschmückte Hand berührte seinen Arm. Es war seine Patentante. Alec schüttelte jedoch die Herzogin von Romney-St. Neots zornig ab, schnappte sich Schärpe und Schwert von einem Lakaien, was die Herzogin aus dem Gleichgewicht brachte und nach hinten taumeln ließ, wo ihr Butler sie am Ellenbogen auffing. Fünf Lakaien eilten ihr zu Hilfe. Ein alter Mann mit graumeliertem Haar trat vor, aber es war der Earl of Delvin, der die Sache in die Hand nahm.

Der Earl stieß seinen Bruder mit der Spitze seines Malacca-Rohrs in die Niere.

„Du hast es aber eilig, Zweiter“, sagte Delvin affektiert. „Kannst doch nicht durch die Häuser anderer Leute stürzen und sie achtlos herumstoßen. Das geht nicht. Das geht gar nicht. Die liebe Mrs. Jamison-Lewis hätte sich eben das Genick auf der Treppe brechen können, und gerade du würdest doch nicht gerne sehen, wenn die schöne, junge Witwe so bald ihrem geliebten Verstorbenen folgen würde, nicht wahr? Für einen Diplomaten zeigst du einen deutlichen Mangel an Man...“

Das war alles, was es gebraucht hatte. Alec riss an dem Rohrstock und warf ihn fort, bevor er seinen Bruder gegen die nächste Wand drückte, eine Hand über den Lagen von Spitzen an dessen Hals, seine langen Finger schoben das Kinn des Earls nach oben, bis er gezwungen war, Alec direkt in die Augen zu sehen. Delvin, der der aus Zorn geborenen Kraft seines jüngeren Bruders nicht gewachsen war, leistete wenig Widerstand.

„Du kaltherziger Blutsauger“, fauchte Alec in sein Gesicht. „Ich wünschte, bei Gott, dass du nicht mein Bruder wärest!“

Der Earl versuchte, sich tapfer zu zeigen. „Du bist ein Trottel, Zweiter“, zischte er bösartig. „Zeit, dass du lernst, wo dein Platz ist: Keine Frau will den Zweitbesten.“

„Wenn sie dich wollen, sind sie es nicht wert, dass man sie begehrt“, höhnte Alec, dessen Finger sich um die Kehle seines Bruders schlossen, bis der Earl nach Atem rang und an der kräftigen Hand zerrte.

Eine Schar Lakaien starrten mit offenen Mündern die beiden Gentlemen an, die neben der offenen Tür kämpften. Ebenso hypnotisiert wie seine Kollegen stand der Butler wie an der Stelle angewurzelt, bis die Herzogin verlangte, dass jemand etwas unternehmen möge, den Kampf zu beenden. Mit einem herrischen Schnippen seiner Finger trieb Neave die Lakaien auseinander. Es blieb dem grauhaarigen alten Mann überlassen, einzuschreiten und dem einseitigen Kampf zwischen seinen Neffen ein Ende zu bereiten.

„Alec! Hör auf!“, knurrte Plantagenet Halsey. „Lass ihn los!“

Delvin wurde sofort losgelassen und fiel auf seine seidenbedeckten Knie, wo er keuchend tief Luft in seine leeren Lungen sog. Schnell raffte er sich auf und versuchte, seine arrogante Haltung wiederzuerlangen, indem er die Ärmel seines Samtrocks abbürstete und die Spitze an seinen Handgelenken ausschüttelte, als wäre er in Berührung mit etwas Unsauberem gekommen. Alec starrt ihn voller Verachtung an, seine Hände vor frustrierter Wut zu Fäusten geballt. Er sah, wie der Butler mit angemessen gesenktem Blick dastand, neben ihm der Lakai mit dem sommersprossigen Gesicht, der sich ihm als Tam vorgestellt hatte. Und als er seinen Onkel anschaute, sah er in den alten blauen Augen so viel unausgesprochene Trauer, dass Alec sich ungeduldig von ihm abwandte. Ein Blick die Treppe hinauf, dort stand Selina noch immer auf der Stufe, auf der er sie stehengelassen hatte. Gott, was hatte er getan, sie als stumme Zeugin zu verdienen? Alec, dessen Demütigung vollständig war, verbeugte sich kurz vor der Herzogin und verließ das Haus.